Test

Im aktuellen Heft haben wir u.a. folgende Produkte für Sie getestet:

Bitwig Studio
Tracktion 5
Roland VT-3
Behringer U-Phoria UMC204
SPL Crimson
VSL Dimension Strings – Violas
Mackie MR6mk3
Hewlett Packard ZBook


Im Test: Tracktion 5




Tracktion 5 ist ein Audio- und MIDI-Sequenzer mit unbegrenzter Spurenanzahl, 15 integrierten Effekten und einem virtuellen Instrument. Unterstützt werden Auflösungen bis 32 Bit/192 kHz sowie beliebig viele Busse und Insert-Effekte.Besondere Merkmale sind die konsequente Ein-Fenster-Darstellung und der Fokus auf eine intuitive Arbeitsweise. Das unter Windows, OS X und sogar Linux lauffähige Programm unterstützt die Plug-in-Formate VST und AU, einsetzbar auf dem gesamten Kanalzug oder einzelnen Clips. Die einfache und übersichtlich gehaltene Oberfläche ermöglicht einen direkten Einstieg und eignet sich somit auch für Anfänger. Gleichzeitig bietet Tracktion aber gleichermaßen Potenzial für fortgeschrittene Nutzer – bis hin zum günstigen und verlässlichen Bandmaschinenersatz im Studio. Version 5 bietet dabei eine Reihe von Neuheiten im Bereich der Audio- und MIDI-Editierung, einen MIDI-Step-Sequencer und mehr. Doch zunächst eine kurze Programmorientierung ...

Arbeitsoberfläche
Hinter vielen Sequenzern steht die Idee, ein Tonstudio mit seinen Gerätschaften bildlich darzustellen. Tracktion geht einen anderen Weg: Hier geht es um schnelles Aufnehmen und Manipulieren von musikalischen Einfällen. Die Grundidee: sämtliche Werkzeuge stehen unmittelbar zur Verfügung. Wird beispielsweise ein Objekt selektiert, so wird dessen Inhalt direkt im unteren Fensterbereich angezeigt (Object Panel). So erscheint beispielsweise bei Auswahl eines hauseigenen Plug-ins dessen Bedienoberfläche, bei einer selektierten Audiospur die zugehörigen Parameter wie Start und Endzeit, Lautstärke und Panorama oder verschiedene Fade-Kurven.
Tracktion unterstützt konsequent das Drag-and-Drop-Prinzip. Benötigten Elemente werden einfach per Maus auf die gewünschte Stelle gezogen. Besteht Bedarf an einem Eingang, kann das zugehörige Symbol auf eine entsprechende Spur bewegt werden und los geht die Aufnahme! Vergleichbar funktioniert der Automationsprozess: Das zugehörige Symbol wird auf ein zu automatisierendes Objekt bewegt, etwa zur dynamischen Steuerung von Lautstärke oder Plug-in-Parametern.

Frei konfigurierbarer Mixer und Multiple Edits
Auch in der Handhabung des Mixers haben die Entwickler das Drag-and-Drop-Prinzip konsequent umgesetzt. Der Kanalzug ist frei konfigurierbar. So kann ein Auxweg etwa an die bevorzugte Position bewegt (Pre/Post Fader) oder die Plug-in-Reihenfolge einfach umsortiert werden. Selbst Verschachtelungen mehrerer Plug-ins zu einem neuen Modul sind möglich. So können komplexe Abläufe – einmal erstellt – immer wieder verwendet werden. Der Mischprozess wird somit geradliniger, wodurch sich auch der Weg vom kreativen Gedanken hin zur Umsetzung schneller vollzieht. An dieser Stelle ist Tracktion manchem Konkurrenten ein gutes Stück voraus. Gleichzeitig hat die Freiheit aber auch einen Nachteil: Das pro Kanal unterschiedlich aufgebaute Mischpult erscheint unübersichtlicher als bei den meisten Konkurrenten.
Ein kompletter Song wird in Tracktion „Projekt“ genannt. Dieses kann sich aus mehreren Arrangements (Edits) zusammensetzen – etwa einem Intro, Chorus oder einem Schlagzeugbereich, jeweils mit detaillierter Ausarbeitung auf mehreren Spuren. In Tracktion 5 lassen sich nun auch mehrere solcher Edits aus unterschiedlichen Projekten gleichzeitig öffnen. Die Inhalte werden dabei gemeinsam im Projektfenster verwaltet. Somit lässt sich schnell zwischen einzelnen Edits wechseln und Audiomaterial übergreifend nutzen.

Edit Clips
Neuerdings lässt sich eine mehrspurige Session auch in einer Stereospur zusammenfassen, um diese dann in einem anderen Edit-Fenster weiter zu bearbeiten. So lassen sich durch Schließen der Mehrspurversion CPU-Ressourcen freigeben. Dabei lassen sich die zusammengefassten Spuren jederzeit wieder öffnen, um Veränderungen vorzunehmen, die ihrerseits automatisch in der runtergerechneten Spur aktualisiert werden. Die Umsetzung gestaltet sich wie gewohnt einfach: Der Reiter, indem sich das zu kopierende Material befindet, wird einfach in den neuen Bereich hineingezogen.

Modernes Comping
Ein Höhepunkt von Tracktion 5 sind dessen Comping-Möglichkeiten – dem Zusammenstellen einer optimalen Version aus mehreren Aufnahmedurchgängen. Tracktion geht einen vorbildlich direkten Weg: Statt Elemente pro Take zu scheiden, werden lediglich Selektionen getroffen, die unmittelbar in einer oberen Masterspur erscheinen, einschließlich der Möglichkeit, nachträglich Anfangs- und Endpunkte der Selektionen zu verschieben. Innerhalb kürzester Zeit lassen sich so intuitiv Schnittvarianten realisieren.

Erweiterung der MIDI-Bearbeitung
Bot Tracktion bislang eine rudimentäre MIDI-Bearbeitung, gibt es nun einen Pianoroll-Editor mit detaillierten Bearbeitungsmöglichkeiten selbst für einzelne Noten, die über die einfache Lautstärke- und Panoramasteuerung weit hinausgehen. So lassen sich Controller-Befehle etwa pro Note setzen. Hinzu kommt die Möglichkeit, jedes virtuelle Instrument mithilfe einer Lernfunktion über MIDI steuern zu können. Hierzu gehören auch die Quick Controls für häufig benutzte Plug-in-Parameter, die direkt im Mixerbereich zur Verfügung stehen. Als Neuzugang darf man sich zudem über einen Step-Sequencer in Form eines MIDI-Clips freuen. Der Drum-Editor bietet die Möglichkeit, multiple Instrumente gleichzeitig zu adressieren – so lassen sich schnell und mit jeweils variabler Länge die passenden Grooves finden und innerhalb der Spur parallel zur Timeline aufbauen und editieren.

CPU-Manager

Überblick über den Ressourcenverbrauch bietet ein neuer CPU-Manager, in dem sich einzelne Elemente selektieren und „einfrieren“ lassen, um Rechenleistung zu sparen. Clever gestaltet sich auch der sogenannte „Freeze Point“: Während man typischerweise eine komplette Spur mitsamt Bearbeitungen, Effekten und Instrumenten per Freeze fixiert, kann man in Tracktion eine Spur bis zu einer beliebigen Stelle einfrieren und die nachfolgenden Elemente weiterhin bearbeiten. Ein weiterer Höhepunkt ist das „Low Lateny Monitoring“. Hier wird das aktuelle Projekt eingefroren, um mit der niedrigsten Puffergröße Aufnahmen mit geringster Latenz durchzuführen.

Zielgruppe & Konkurrenz
Tracktion lässt sich erstklassig für Mehrspuraufnahmen einsetzen. Die schnelle Bedienung ermöglicht unmittelbare Aufnahmen ohne lange Vorbereitungszeiten – bestens geeignet für Live-Mittschnitte aber auch als Bandmaschine im Tonstudio. Hervorragend funktioniert Tracktion auch, wenn regelmäßig mehrere Takes zu einer neuen Spur zusammengesetzt werden sollen – etwa bei Sprachaufnahmen. Hier gelangt man ausgesprochen zügig zum Ziel.
Aufgrund der Flexibilität des Mischers bietet sich Tracktion auch dort an, wo es nicht drauf ankommt, eine riesige Anzahl an Spuren zu mischen, sondern Klangvariationen durch unmittelbares Umstellen von Effektketten schnell zu erforschen – etwa im Sounddesign. Angesichts des günstigen Preises von 60 US-Dollar ist das eine ganze Menge. Dennoch muss sich Tracktion etlichen Konkurrenten stellen: Das kostenlose Garageband (OS X) bietet bis zu 255 Spuren, dazu eigene Instrumente und Effekte. Steinberg Cubase Elements 7 offeriert für 100 Euro 48 Audio- und 64 MIDI-Spuren, zahlreiche virtuelle Instrumente sowie 39 Effekte. Auch Cakewalk hat mit Sonar X3 (KEYS 12/2013) einen ausgewachsenen Windows-Sequenzer mit unbegrenzter Spurenanzahl, zwölf virtuellen Instrumenten und 27 Effekten für 90 US-Dollar im Angebot. Schließlich bietet Cockos Reaper für 60 US-Dollar ebenfalls Unterstützung für Windows, OS X und Linux sowie die gängigen Plug-in-Formate. Hier entscheidet also nicht der Preis, sondern der Bedarf und letztendlich die individuellen Vorlieben.

Fazit
In Version 5 bietet Tracktion hervorragende Neuerungen. In der Praxis überzeugt das durchdachte Ein-Fenster-Konzept, welches kreatives und schnelles Arbeiten ermöglicht. Für 60 US-Dollar erhält man einen ausgewachsenen, stabilen Sequenzer, der gängige Konzepte durchbricht und den musikalischen Arbeitsfluss unterstützt. Die geringe Einarbeitungszeit bietet jedem Anwender die Möglichkeit, sich diese Alternative näher anzuschauen. Angesichts der schnellen Fortentwicklung darf auf die nächsten Schritte von Tracktion gespannt sein – eine Integration des ARA-Protokolls ist laut Hersteller bereits in Arbeit.

Autor: Michael Schillings



Im Test: Ohmforce Ohmstudio




Seit mittlerweile 13 Jahren kreiert man bei Ohmforce außergewöhnliche Effekte mit amtlichem Sound. Egal ob Filter, Delay oder Verzerrer, Ohmforce versteht es, Standardeffekten eine eigene Note zu verpassen. Die akustische Bandbreite reicht dabei von subtil angewärmt hin zu waffenscheinpflichtig brachial. Hinzu kommen Vorlieben für schräges Grafikdesign, ausgetüftelte Preset-Bänke samt Morphing und hervorragender Kundenservice. Mit Ohm Studio liefern die Franzosen nunmehr eine komplette Produktionsumgebung, die konsequent auf Online-Zusammenarbeit setzt.

Wer heute „online“ miteinander Musik macht, musste sich bislang auf eine Plattform einigen und sich dennoch mit fehlenden Plug-ins, Software-Instrumenten und Sampleordnern herumschlagen sowie Projekte über FTP oder verschiedene Cloudanbieter tauschen. Ohm Studio geht konsequent einige Schritte weiter. Was wäre, wenn man fast in Echtzeit am gleichen Projekt arbeiten könnte? Während ich noch an den Vocals feile, könnte mein Kollege eine neue Basslinie programmieren und aufnehmen, die kurze Zeit später bei mir automatisch im Projekt erscheint. Wenn es jetzt noch eine hilfsbereite Online-Community gäbe, könnte sich mit etwas Glück sogar eine neue Form des Miteinander-Produzierens entwickeln!

Widerstand zwecklos
Gleich beim ersten Programmstart von Ohm Studio 1.0 fällt auf, dass hier einiges anders ist: Anstatt einer Mischpult- oder Timeline-Ansicht begrüßt der DAW-Neuling den Benutzer mit einem Login-Fenster, gefolgt von einer Mischung aus Projektbibliothek und Chatroom. Hier tauscht man sich aus, tritt bestehenden Projekten anderer Nutzer bei oder startet ein eigenes Projekt. Doch beginnen wir mit den konventionellen Funktionen: Das eigentliche DAW-Fenster kommt mit einer einzigen Bildschirmansicht aus. Dabei erleichtern hilfsbereite Tutorial-Sprechblasen den Einstieg. Das Grundprinzip ist hinlänglich bekannt: Die obere Bildschirmhälfte füllt eine ansprechend animierte Sequenzer-Zeitleiste, darunter befindet sich die Mixer- beziehungsweise Rackansicht samt Browser für Software-Instrumente und VST-Plug-ins. Vollbildansichten werden sowohl für ein als auch zwei Displays unterstützt, hingegen lassen sich einzelne Bildschirmelemente nicht vom Interface entkoppeln. Racks in Ohm Studio entsprechen den Kanalzügen herkömmlicher DAWs. Sie können mehrere VST-Instrumente, Audio-, Automations- und MIDI-Spuren beinhalten. Insbesondere für alternative Takes, multitimbrale Instrumente und komplexe Layer erleichtert dies die Arbeit ungemein. Für zusätzliche Flexibilität sorgt der Gear Panel View, mit dem Racks und ihre Komponenten in Reason-Manier frei miteinander verkabelt werden können.

Auch ansonsten macht die Funktionalität von Ohm Studio 1.0 eine gute Figur. MIDI- und Audiospuren werden in der Spur editiert, indem man per Doppelklick in die Spur hineinzoomt und dabei Zugriff auf Pianorolle, Automation oder andere Funktionen erhält. MIDI- und Audio-Editor sind durchaus brauchbar, können aber noch nicht mit den umfangreichen Möglichkeiten etablierter DAWs mithalten. Einzelne Spuren können per Tastendruck eingefroren oder neue Spuren gerendert werden. Bei Bedarf besorgt dies Ohm Studio selbstständig im Hintergrund, damit Online-Kollaborateure trotz fehlender VST-Instrumente am gleichen Projekt arbeiten können. Leider verzeichnete ich dabei auch einige Programmabstürze. Allerdings lassen sich solche Problemprojekte aber dank automatischer Online-Speicherung meist problemlos wieder öffnen.

Wolkenkuckucksheim
Alle eigenen Projekte samt Samples werden fortwährend in die Datenwolke von Ohm Studio übertragen. Sie sind dabei an das Ohm Studio-Onlinekonto gebunden. Mit einem Login kann somit sogar nahtlos auch an fremden Rechnern an eigenen Projekten arbeiten. Verschiedene Privatsphäre-Einstellungen sorgen dabei für Ordnung und Privatsphäre. Sollen nur bestimmte Freunde das Projekt ansehen oder bearbeiten dürfen? Möchte ich nur allein daran arbeiten? Oder will ich durch die öffentlichen Projekte stöbern, um dort meine Fertigkeiten einzubringen? Alles ist machbar, allein fehlt mir die Möglichkeit zur klassischen Offline-Arbeit, für die Ohmforce allerdings Abhilfe angekündigt hat.


Öffnet man ein öffentliches Projekt, werden zunächst stark komprimierte Versionen der Spuren geladen und im Hintergrund nachfolgend durch weniger stark komprimierte und zuletzt unkomprimierte Audiodaten automatisch ersetzt. So kann man sich binnen weniger Sekunden einen Überblick über ein fremdes Projekt verschaffen, bevor man sich entscheidet, selbst Hand anzulegen. Frei auf dem Bildschirm positionierbare Notizzettel, private Spuren, die nur in der lokalen Projektversion erscheinen sowie der Chatroom runden die Online-Erfahrung ab.  Verzichten hingegen muss man auf eine integrierte Talkback- und Videofunktion, weshalb viele Ohm Studio-Kollaborateure ergänzend zu Skype oder Google Hangout greifen.

Ohmforce inklusive
Ein Produkt wie Ohm Studio erfordert eine andere Preispolitik als eine konventionelle DAW. Die Software selbst kann gratis heruntergeladen werden. Dabei kann man nach der Registrierung kostenlos an bis zu zehn Projekten mitwirken, muss sich aber mit 16 Bit Dynamikumfang bei der Aufnahme (24 Bit Import möglich) und komprimiertem Export begnügen, nicht jedoch mit einer limitierten Spurenzahl. Die notwendigen Effekte gibt es in Form einfacher aber gut klingender Dynamikeffekte und Equalizer; während eine spezielle Ohmforce-Bank für den Sampler UVI-Workstation für eine Basisklangausstattung sorgt. Wer sich für das 39 Euro teure Ohm Studio Pro entscheidet, kann mit 24 Bit aufnehmen, Wav-Dateien exportieren und erhält dazu den überzeugenden Minimoog-Klon Minimonsta sowie den legendären OhmBoyz Delays.

Für 99 Euro schließlich erhält man die große Packung Ohm Studio Pro XL. Hier gibt es nahezu alle weiteren Plug-ins und Effekte der Franzosen: Quad Frohmage, Ohmicide und die Arp Odyssey Emulation Oddity. Natürlich sind aber auch alle Versionen kompatibel zum VST-Standard und können entsprechend erweitert werden. Grundsätzlich lief Ohm Studio auf den Testtrechnern stabil (Macbook Pro/Air i7/OS X 10.9) und kämpfte lediglich bei wenigen Drittanbieter-Produkten mit zu hoher CPU-Last, die jedoch durch Anheben der Puffergröße minimiert werden konnte.

Wer schließlich mehr als zehn Projekte nutzen möchte, muss sich auf monatliche Kosten einstellen: Je nach Abonnement zahlt man zwischen 7 und 9 Euro pro Monat, um bis zu 200 Projekte in der Ohm Studio-Wolke speichern zu können.

Fazit
Ohmforce gelingt mit der ersten Version von Ohm Studio ein interessanter Einstieg in die Thematik effektiver Online-Zusammenarbeit im Musikbereich. Zwar bietet die Software als konventionelle DAW noch nicht den Funktionsumfang der Konkurrenz, punktet dafür aber im Bereich der Kollaboration mimt einzigartigen Funktionen. So stellt Ohm Studio, je nach Anwengung, heute bereits eine Alternative dar, beziehungsweise kann die Rolle einer Zweit-DAW einnehmen. Schon jetzt darf man auf die angekündigte Version 2.0 gespannt sein, die neben einer neuen, effizienteren Audio-Engine auch dringend benötigte Funktionen wie Overdubbing, Offline-Mode und Loop-Aufnahme ergänzen soll. Angesichts der erfreulich günstigen Preise und des innovativen Ansatzes sollten Sie sich Ohm Studio einmal näher ansehen. Wer mag schon nur allein musizieren?


Autor: Martin Hirsch



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