Test

Im aktuellen Heft haben wir u.a. folgende Produkte für Sie getestet:


Steinberg Wavelab 8.5
Waldorf 2-pole Analog Filter
Ableton Max for Cats Digital & Ensemble
Chris Hein Winds Complete
IK Multimedia iRing
Tascam US-1200
SM Pro Audio M-Patch Passive-1 & Active-1
Digital Audionetworx Extreme 64



Im Test: Humanoid Sound Systems Enzyme




Enzyme ist in den Formaten VST und AU unter Windows und OS X lauffähig. Neugierig macht das Syntheseverfahren: Dabei bringt allgemein ein virtueller Hammer ein Klangsystem zum Schwingen. Allerdings wird diese Schwingung nicht direkt in Klang umgesetzt, sondern per „Scanning“ im Sinne eines Wavetables abgetastet. Klangvariabilität ergibt sich vor allem aus den Eigenschaften des Hammers, dem Aufbau des Schwingungssystems und besagtem Scanning.
Die Bedienoberfläche verteilt sich auf vier Reiter: Synthese, Modulation, Effekte sowie der Masterbereich mit Zugriff auf Stimmung, Lautstärke, Portamento, Polyphonie und Preset Management. Über den Synthesereiter erreicht man beispielsweise Form, Dichte und Hammergröße, Form und Skalierung der zentralen Wellenform sowie einer sogenannten Massenwelle. Dabei lassen sich einfache und komplexe Wellenformen wählen oder gar eigene Samples. Die Update-Rate legt fest, wie häufig das System upgedatet wird, und bietet Einfluss auf Entwicklung und Geschwindigkeit der Klangveränderung. Grundsätzlich sind die Parameter überschaubar und effizient, wenn auch in vielen Fällen nicht im Ergebnis vorhersehbar.

In der Modulationssektion werden alle Modulatoren, darunter auch bis zu 16 zuweisbare Performance-Controller pro Preset, bipolar mit den Modulationszielen in einer Matrix verknüpft. Als Quellen stehen verschiedene Audio-Modulationen, Tonhöhe, Anschlagsstärke und unlimitiert LFOs und AHDSR-Hüllkurven bereit. Der Effektbereich bietet seriell/parallel schaltbare Filter, die nicht stimmbezogen, sondern auf alle Stimmen gleichzeitig arbeiten. Dazu gibt es Chorus, Flanger, Filter, Nachhall sowie Verzerrungs- und Verzögerungseffekte.

Klang
Hauptsache es wobbelt! Enzyme wird mit 265 nach Genre sortierten Presets ausgeliefert. Wobbelnde Bass- und Leads, weiche Flächen und Atmos stehen ebenso zur Verfügung wie klassische Keys oder moderne FX-Sounds. Aus wenigen Parametern erschafft man einfache bis komplexe Klänge, wobei die Klangformung dabei nur bedingt kontrollierbar beziehungsweise vorhersehbar ist. Für musikalische Ergebnisse ist man deshalb auf Hüllkurven und Filter angewiesen, während die Performance-Controller für Klangvariationen und Klangverläufe sorgen.
Der Klangcharakter wirkt düster und digital. Persönlich tönt es mir etwas zu dünn und kühl, insbesondere wobbelnde Bässe oder andere Sounds könnten eine Portion Wärme gebrauchen. Der Psycho Modus, der Sicherheitsgrenzen der Wavetables aufhebt und der Danger Modus bringen wildere und aggressivere-, der Random Modus verlässlich brauchbare und stimmige Klangergebnisse. Die auf wesentliche Parameter reduzierten Effekte erfüllen nicht nur ihren Zweck, sondern auch einen angenehm weichen Klangcharakter.

Fazit
Enzyme bietet eine eigene digitale Klangnote mit etwas frostigen Charme. Auch empfiehlt sich der Synthesizer für jene, die auf der Suche nach Wobblern für Dubstep, IDM und Elektronika sind. Die Menge mitgelieferter Wobblebässe lässt so manchen Konkurrenten alt aussehen. Dazu kann die Zufallsfunktion im Handumdrehen das vorhandene Repertoire erweitern.
Dank umfassender Echtzeitsteuerung und Modulationsmöglichkeiten sowie einem Effektrack bietet Enzyme ausreichend kreativen Spielraum. Dabei hat die Kreativität Vorrang vor Kontrolle. Wer einen etwas anderen, extravaganten Synthesizer zu einem günstigen Preis sucht, sollte genauer hinhören.

Autor: André Goc

Humanoid Sound Systems Enzyme
Vertrieb/Internet:     www.humanoidsoundsystems.com
Preis:            49,99 US-Dollar







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